4.Kapitel: 1999 – Und alles wird ganz anders!

Ja, ja, so hält das Schicksal doch immer wieder mehr oder weniger lustige Überraschungen für das fahrende Volk bereit. Dabei verschont es nicht einmal die Vorgruppe, wie wir (SUBSTYLE), eigentlich schon nach Abschluss der zweiten gemeinsamen Deutschland-Tournee mit In Extremo, erfahren durften.
Nach einem gebrochenem Fuß unseres Gitarristen Heiwi und diversen Viren und Bakterien, die uns nach dem Leben trachteten, war die obligatorische Polizeikontrolle auf österreichischem Boden kaum der Rede wert.
Nun gut, wir waren der eine oder andere zu viel im Wohnmobil, dafür waren aber auch alle wenigstens total unzurechnungsfähig. Wirklich alle? Nein, ein einsamer kleiner Geiger trotzte wild entschlossen allen promillehaltigen Versuchungen um seine Freunde und Kollegen sicher durch die Nacht Richtung Heimat zu fahren.
Zum Glück war ich dann auch so ziemlich der Einzige, der nach dem unfreiwilligen Stop Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

Anfang 2000 hatten wir schon irgendwie das Gefühl, in die Bundesliga aufgestiegen zu sein, um mal die Fußballsprache zu bemühen: Wir waren über die letzten Jahre zu einem eingeschworenen Haufen zusammengewachsen, den auch solche herben Rückschläge wie die Krankheit von Thomas nicht mehr aus der Bahn werfen konnten. Wir hatten viel Geld in das Team und die Ausrüstung gesteckt und auch das Trainergespann arbeitete hervorragend. Wenn wir uns den Terminkalender für das kommende Jahr so ansahen, dann konnte einem schon leicht schwindlig werden: Eine Europatour, USA- und Mexikotermine, im Sommer die größten Festivals in Deutschland und zu allem Überfluss auch noch ein Auftritt auf dem legendären „Roskilde Festival“ in Dänemark und das auch noch zu einer wunderbaren Uhrzeit. Das Jahr konnte also kommen.
Der Jahresbeginn war auch schon wieder die Zeit der beliebten Jahrespolls des vergangenen Jahres. Die Leser des „Rock Hard“ beschenkten uns wieder einmal mehr mit vorderen Plätzen: „Beste Liveband“ – Platz 3, „Newcomer des Jahres“ –  Platz 8, „Album des Jahres“ – Platz 6!
Doch vor das Vergnügen hat der Liebe Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

…ist die Freiheit genau 80 x 80 x 80 tief, um mal Helge Schneider zu zitieren! Von London/ Heathrow nach Newark/ New Jersey! Da sitzt er nun, der genervte Saitenquäler, eingeklemmt zwischen einem wackligem Bauchbord, auf dem dünnster amerikanischer Kaffee gefährlich vor sich hin dampft, daneben eine kalte, noch dunkelgrüne Banane, die von einem strahlend gelben Omelett bewacht wird und nicht zu vergessen die beiden amerikanischen Provinzlerinnen zu meiner Rechten und Linken (War es denn schwer, vor den Russen zu fliehen?) – ja genau, immer auf die „12“ – und wartend auf die Frage, ob Adolf Hitler noch immer König von Deutschland ist. Auch die beiden blonden Stewardessen von „American Airlines“ kommen mir irgendwie bekannt vor. Aus dem Fernsehen? Waren das nicht die Aufseherinnen aus „Frauen hinter Gittern?“ Na ja, die beiden Hauptdarstellerinnen hier ließen zumindest in optischer Hinsicht eine spannende und kurzweilige Reise erwarten…
Nach der 3. Wiederholung von „007 – Im Dienste Ihrer Majestät“, wahlweise auch in Spanisch, setzten wir Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

Clauzzen Hernandez ist in der mexikanischen Szene so bekannt wie Götz in unserer. Sie moderiert im mexikanischen Radio eine Gothic- und eine Rock-Sendung, die beide Kultstatus genießen und regelmäßig mehrere Millionen Zuhörer haben. Zudem arbeitet sie seit drei Jahren als Head Of International bei der mexikanischen Niederlassung des In Extremo-Labels „Mercury“.

RH: Was bietet das mexikanische Radio für Rock-Fans?
CH: So gut wie nichts. Bei uns wird überwiegend traditionelle einheimische Musik gespielt. Als internationalen Act bekommt man bestenfalls mal Bon Jovi geboten. Deshalb wollte ich vor 8 Jahren die hiesige Radiolandschaft mit härteren Sounds beleben. Obwohl die Resonanz auf meine Sendung „Gaveta 12“ überwältigend war, stellte der Sender sie vor 4 Jahren ein, weil er dachte, dass er mit Disco-Musik höhere Einschaltquoten und damit Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

Keine 14 Tage nach unserer Amerikatour saßen wir schon wieder mit Carsten in „unserem“ Nightliner, der uns für ein Konzert nach Paris brachte – der Laden La Locomotive befand sich direkt im Herz des Sündenbabels und direkt neben dem Moulin Rouge. Das hatte leider den überaus großen Nachteil, dass der Soundcheck in diesem Laden schon um 10.00 Uhr morgens (!!!) beendet sein musste, weil dann dort wohl die Proben begannen. Wir hatten ja schon viel erlebt auf unseren Touren, aber ein get in um 6.00 Uhr früh war dann doch Zuviel des Guten. Aber unsere Frankreich-Premiere am Abend vor 600 Zuschauern entschädigte uns dann doch noch für unsere Qualen.
Kurz vor Beginn der Festival-Saison des Sommers starteten wir noch einmal zu einer Frühjahrstour, die dieses Mal in Oberwarth, kurz vor dem österreichischem Graz, begann und führte uns über Wien, Salzburg, Erfurt, Köln, Dorndorf, Wuppertal, Stuttgart, Dortmund, Regensburg, Tuttlingen, Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

Es war 1994. Kay arbeitete damals noch als Sozialarbeiter beim „Rockmobil“ und hatte eines Tages die Idee, mit ein paar der von ihm betreuten Nachwuchsmusiker eine „Weiterbildungsmaßnahme“ – selbstverständlich senatsgefördert – durchzuführen. Warum immer langweilige Vorlesungen besuchen, wenn es auch anders geht? Ins ferne Dänemark zum „Roskilde Festival“, Europas größtem Festival mit bis zu 120.000 Besuchern, sollte es gehen. Drogenprävention im Auge des Hurricans – Nachtigall ick hör dir trapsen! Kay hatte damals Bass- und ich Schlagzeugschüler und wir arbeiteten in einem Jugendklub in Berlin-Lichtenberg. Ein paar unserer Schüler und ein paar Musiker von den dort probenden Bands, sowie 10 Paletten leckersten senatsgeförderten Bieres luden wir in 2 senatsgeförderte Ford-Busse, die uns Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

Salzwedel wir kommen, Salzwedel wir sind da!
Beim Check up des Geländes erblickten unsere Röntgenaugen zuerst einige Nightliner-Bewohner, die nicht auf der Bühne zu sehen sind. Ort: „Cocktailbar“, wo auch sonst!
Später, gelangweilt in der Sonne sitzend, zogen einige Nightliner-Bewohner, die sonst auf der Bühne zu sehen sind, unsere Blicke auf sich. Nichts wie hin, mit Fragen für Basti unterm Arm. Boris traten vor Panik fast die Augen aus den Höhlen, als er den ihm wohlbekannten weißen Hefter erblickte. Sofort wollte er die Flucht ergreifen. „Guten Tag!“ sagte er erst, als Basti den Hefter schon in den Händen hielt. Noch schnell ein paar Autogrammkarten für den Fanclub unterschrieben und „Tschüss!“.
Reamonn spielten auf! Deutlich erkennbar am Gekreische der 12-15jährigen Damen. Dreimal „Supergirl“ und wir kannten zwar den Text, aber besser gefiel er uns deshalb auch nicht. Nach dem dritten „Supergirl“ waren Reamonn fertig, der Platz vor der Bühne leerte sich, da kreischende 12-15jährige Damen auf  Weiterlesen

5.Kapitel: 2000 – Über den Wolken

Eine Woche später fuhren waren wir zum „Rock For People“-Festival, das im tschechischen Český Brod, in der Nähe von Prag, stattfinden sollte: In Extremo als Headliner vor 18 tschechischen Bands! Doch 20 km hinter dem Grenzübergang erfuhren wir, dass wir eigentlich einen Tag zu früh am Start waren – Dank der gut funktionierenden Kommunikation zwischen unserer Managerin und unserer ausländischen Booking-Agentur. Na, macht ja nix! Wir parkten den Nightliner eben großzügig in den Gassen der Innenstadt, holten uns Strom aus einer Fleischerei und gingen noch zum allerletzten Konzert des Abends: Die Bloodhound Gang! Keine zwei Tage später ging es dann auf das belgische „Dour Festival“ und nach London, wo wir im Underworld spielen sollten. Es war unglaublich: 5 Londoner Supportbands im kleinen Underworld und dazwischen Weiterlesen