Breaking the Law – Judas Priest (British Steel/1980)

Die Sonne brannte erbarmungslos durch die Fenster unseres Russischraumes, der sich im obersten Stockwerk des Schulhauses, leider direkt unter dem Dach, befand. Wir schwitzen wie verrückt, doch draußen regte sich kein Lüftchen, so dass selbst die offenen Fenster nicht den erwünschten Effekt brachten. Eigentlich wäre es Zeit gewesen, sich das Fahrrad zu schnappen, um an die Seddiner Kiesgruben zu fahren, unserer bevorzugten Badestelle. In letzter Zeit blieben am Strand zwar die Mädchen aus, weil ein paar Idioten aus unserer Parallelklassedort dort gern Frösche mit Strohhalmen aufbliesen und anschließend zum Zerplatzen brachten, aber das war allemal besser, als hier in der sechsten Stunde bei meiner Klassenlehrerin im Russischunterricht zu sitzen.
Ich hasste Russisch und dieses Fach ausgerechnet in der letzten Stunde zu haben, machte die Sache nicht interessanter. Ich hasste Russisch nicht wegen der Russen, zumal ich ja kaum welche kannte, sondern vor allem wegen unserer Russischlehrerin Frau Dörrbrandt. Sie war eine aufgebrezelte, hässliche alte Zimtzicke, die uns Weiterlesen

Bild Beitrag Allein in Elbflorenz

Red Scar Eyes – Mitch Ryder (Got Change For A Million/1981)

Irgendwie erreichte ich doch noch die letzte U-Bahn in Richtung Pankow. Gott sei Dank, denn nach diversen schlecht gemixten Cola-Wodka-Mischungen verspürte ich nicht die geringste Lust, den ganzen Weg in den Prenzlauer Berg zurück zu laufen. Ich war gerade die Treppe aus dem HdjT herunter gestolpert, einem Laden, in dem jeden Dienstag die wichtigsten Berliner Bands spielten – oder diejenigen, die sich dafür hielten. Doch leider musste man sich dort den Abend jedes Mal lustig trinken, denn die Stimmung galt schon dann als auf dem Siedepunkt, wenn nur jemand leicht mit dem Fuß im Takt mit wippte. Hier im HdjT hatte man nicht wirklich Spaß, hier ging es fast ausschließlich ums Sehen und Gesehen werden. Man amüsierte sich allenfalls über das Geschehen auf der Bühne.
Das Publikum bestand aus der typischen Berliner Musikantenpolizei, genauer gesagt aus männlichen Musikern, die mit verschränkten Armen und mit alkoholischen Getränken bewaffnet, finster in Richtung Bühne blickten. So ähnlich musste es damals im römischen Kolosseum gewesen sein, denn auch im HdjT war es äußerst selten, dass die Daumen nach einer Vorstellung nach oben gingen. Ich erinnere mich vage an eine Band namens Villon, Weiterlesen