2. Kapitel: 1995 – 1997: In Ewigkeit: A -Moll

So, so, warum ich diese Band überhaupt gesignt habe nach diesem Auftritt in Leipzig  will die Lutter wissen? Na denn Kay, werden wir mal 5 Jahre später das Geheimnis lüften, gewürzt mit ein paar Eindrücken.
Also, meine Freundin Silke versuchte damals bereits seit längerer Zeit die Band an ein Label zu vermitteln. Leider oder eher vielmehr zu meinem Glück () konnte bei den Majors kein A&R auch nur das Geringste mit dem Demo-Material anfangen. Zu exotisch wohl. Ich arbeitete ja schon seit längerem mit der Band Subway To Sally und wusste, dass die Kombination von hartem Rock mit mittelalterlichen Einflüssen durchaus einen großen Fankreis gewinnen konnte. Interessanterweise gab es da ja auch eine ganz wilde Publikumsmischung: Metalfans, Folks, Grufties und ganz normale Leute. Also sehen und hören konnte ja mal nichts schaden, dachte ich, und so fuhr zu einem Auftritt nach Leipzig in die Moritzbastei.
Als ersten traf ich den Sänger, der mir gleich mitzuteilen wusste, dass mir nichts Besseres als In Extremo passieren konnte, weil sie ohnehin die beste Band der Welt wären. Kurze Zeit später war von seiner großen Klappe Weiterlesen

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Anfang 1998 gingen wir wieder ins Studio, um für die neue Saison eine Akustik-CD einzuspielen. Sie sollte „Hameln“ heißen und so zierte das Cover auch eine tote Ratte, die unser „Undersound“-Layouter in einem Keller in Berlin-Friedrichshain entdeckt hatte. Ich glaube, lange musste er nicht dafür suchen. Wir hingegen überlegten, wie wir die Mittelalter- und die Rockband besser als EINE Band präsentieren könnten. Uns eventuell zwei verschiedene Namen zuzulegen kam uns nicht in den Sinn, der Name In Extremo passte eben für beide Bands wie die berühmte Faust aufs Auge und bis auf Thomas würden Reiner und ich von der neuen Saison an bei den Mittelalterkonzerten auch als Musiker mit auftreten – Reiner an den Trommeln und ich am ungeliebten Trumscheit. Egal, „mit gefangen – mit gehangen!“ war ja die Losung. Thomas arbeitete weiterhin in seinem Beruf als Lehrer und hatte für die Märkte keine Zeit.
Ein paar Künstlernamen für die Rockband mussten her und Weiterlesen

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Zur späten Stunde (…und ich gut ein im Kahn – BECK´S RULES!) liefen meine Kumpels und ich zur zweitgrößten Bühne des Festivals, um uns das Spektakel IN EXTREMO mit eigenen Augen anzusehen (lesen kann man viel, aber mit eigenen Augen SEHEN!!!) Was sich dann in der folgenden Stunde abspielte, sollte man schon als sehr gelungenen Live-Gig werten (auch wenn es einige Zeit dauerte, bis das Zeug auf die Bühne gekarrt worden war, toll sah es dennoch aus!) Tausende Besucher versammelten sich trotz später Stunde vor der Bühne und wurden schon beim ersten Stück „Der Galgen“ nicht enttäuscht. Was dann folgte konnte man leicht schon an dem Werk „Weckt die Toten!“ erfahren: „Rotes Haar“, „Ai Vis Lo Lop“, „Palästinalied“, „Vor vollen Schüsseln“… usw. (…und glaubt mir, die Toten wurden ERWECKT!) Auch die Bühnenshow konnte voll überzeugen: Viel Feuer, Blitz, Weiterlesen

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Im Mai 1998 kauften wir uns einen alten Mercedes Feuerwehrbus (Baujahr 1961), der zum Wohnmobil ausgebaut war. Wofür genau, das war nicht so ganz klar, weil wir beide keine Anhänger von Camping waren, aber die Form des Autos faszinierte uns. Im gleichen Monat besuchten wir an Pfingsten das „mittelalterliche Spectaculum“ in Oberwesel, unseren 2. Mittelaltermarkt überhaupt. Wir vernahmen seltsame, noch nie zuvor gehörte Musik und ergründeten ihre Herkunft. Auf der Hauptbühne standen einige seltsam gekleidete Herren, die auf erstaunlichen Instrumenten Musik machten. Diese Musik war derartig mitreißend, dass es selbst biedere Krawattenträger auf der Tribüne von ihren Sitzen riss. Unglaublich, diese Musik ging sofort ins Ohr und wollte gar nicht mehr raus!
Nach dem Auftritt kam es zu tumultartigen Szenen, als Micha verkündete „Ihr könnt uns mit nach Hause nehmen … in Form dieser silbernen Scheiben“. Wer live dabei war hätte meinen können, dass er zum sofortigen Massenaufstand aufgerufen hätte. Nicht alles, dass sich die Menschenmassen um die CDs und die Weiterlesen

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Auf vielen Festivals des letzten Sommers sorgten In Extremo durch ihr Auftreten, durch das Verbinden von mittelalterlichen Klängen mit Metal und durch ihre Trinkfreudigkeit für Furore. Das mittelalterliche Flair, das z.B. schon durch Subway To Sally und die Merlons auf Open Airs oder in die Konzertsäle einzog, wurde durch die Berliner noch weiter fortgeführt. Etwas bodenständiger erschienen die harten Klänge von In Extremo. Damals, im letzten Jahr, irgendwann im Juni spielten In Extremo auch beim „Rock an der Schnauder-Festival“ in Meuselwitz. Etwas stolz sind wir noch immer, dass wir festivalmäßig die Ersten waren, die euch im „Das Teil“ – Einzugsgebiet diese Band präsentieren konnten. Lange, eigentlich fast schon zu lange hat es gedauert, bis wir endlich dazu kamen, ein Interview mit dem Letzten Einhorn (Sänger der Band, auch Micha genannt) und seinen Mitstreitern zu führen.
In Extremo – das Interview. Wir sprachen über die zwei Projekte der Band (auf den Mittelaltermärkten und als Rockband), über die Frage von Trends und über alte Bekannte – Aber lest selbst… Weiterlesen

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Doch zurück zu „Weckt die Toten!“. Nun hatten wir Mitte August plötzlich unsere erste Rock-CD in den Händen und wir waren mächtig stolz auf das Ergebnis. Jetzt trafen auch die ersten Rezensionen der Presse ein und wir waren sehr gespannt, wie die „Öffentlichkeit“ unser Werk aufnehmen würde. „Rock Hard“-Mühlis Rezension stellte aber schon mal alles in den Schatten:

„In Extremo heißen die Herzensbrecher des Jahres – und sie werden auch eure Seelen für sich gewinnen. …mir kamen wirklich Tränen der Freude und der Rührung (…) Bereits mit ihrem ersten Longplayer machen sich diese Berliner Vagabunden unsterblich…“ 9,5 von 10 Punkten
(Wolf-Rüdiger Mühlmann, Rock Hard 7/98)

Während sich Wolf-Rüdiger zu einer 9,5 hinreißen ließ und wir Weiterlesen

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Als mich Kay Lutter vor einigen Monaten bat, auch einige Zeilen für dieses Buch zu verfassen, war mein erster Gedanke: Wozu eigentlich eine Schwarte über eine Band, die noch nicht einmal zehn Jahre lang existiert, aus deren Reihen kein Superstar der Marke Robbie Williams, kein gestörter Freak wie Marilyn Manson, kein koksverseuchter Tattergreis wie Ozzy Osbourne, kein waffengeiler Redneck wie Ted Nugent oder kein intellektueller Hobbypolitiker wie Tom Morello entsprungen ist? In Extremo – das sind alles nette Kerle, die ihre Bücherregale und Dudelsäcke selber bauen, prima Kumpels von nebenan, Typen, mit denen man gern zusammen ein Bier trinkt. Aber reicht das bereits für ein Buch aus?
Eigentlich nicht. Aber dann erinnerte ich mich an die Anfangszeit, die (um es mal international zu sagen) „early days“ dieser Gruppe. Ich erinnerte mich daran, wie diese Band – in bunten Lumpen verpackt, mit bimmelnden Glöckchen an ihren unverschämt spitzen Lederstiefeln (Marke Eigenbau), mit allerlei quäkenden Blasinstrumenten und vorlautem Mundwerk – auf Mittelaltermärkten das machten, was Weiterlesen

4.Kapitel: 1999 – Und alles wird ganz anders!

Nun würde alles gaaaaaanz anders werden, das zumindest schworen wir uns – aus dem letzten Jahr würden wir unsere Lehren ziehen: Wir würden in aller Ruhe die neue Platte einspielen und ganz entspannt ins neue Jahr blicken.
Das „Rock Hard“ machte uns zum Jahresanfang wieder glücklich: Immerhin erreichten wir mit „Weckt die Toten!“ Platz 54 der Lesercharts-Jahresauswertung, wenn man bedenkt, dass  die CD erst ab dem Spätsommer im Handel war, ein mehr als respektables Ergebnis! In der Monatshitparade landeten wir immerhin schon auf Platz 11 und es gab sogar das 1. In Extremo-Poster – auf der Rückseite von Slayer! Im nächsten Heft wurden wir gar die „Newcomer des Jahres 1998“ und erreichten beim „Album des Jahres“ Platz 19. Da konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen!
Aber wie das immer so ist mit den guten Vorsätzen, spätestens am 2.Januar werden sie über Bord geschmissen! „Vielklang“ hatte mit vielleicht 2.000 verkauften Exemplaren von „Weckt die Toten!“ gerechnet – nun im Januar war bereits das 20fache über die Ladentische gegangen! Auch unser Akustikalbum „Die Verrückten sind in der Stadt“ lag ganz gut im Rennen. Leider hatten wir Dank des überstrapazierten Terminplanes wenig Zeit Weiterlesen