3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Anfang 1998 gingen wir wieder ins Studio, um für die neue Saison eine Akustik-CD einzuspielen. Sie sollte „Hameln“ heißen und so zierte das Cover auch eine tote Ratte, die unser „Undersound“-Layouter in einem Keller in Berlin-Friedrichshain entdeckt hatte. Ich glaube, lange musste er nicht dafür suchen. Wir hingegen überlegten, wie wir die Mittelalter- und die Rockband besser als EINE Band präsentieren könnten. Uns eventuell zwei verschiedene Namen zuzulegen kam uns nicht in den Sinn, der Name In Extremo passte eben für beide Bands wie die berühmte Faust aufs Auge und bis auf Thomas würden Reiner und ich von der neuen Saison an bei den Mittelalterkonzerten auch als Musiker mit auftreten – Reiner an den Trommeln und ich am ungeliebten Trumscheit. Egal, „mit gefangen – mit gehangen!“ war ja die Losung. Thomas arbeitete weiterhin in seinem Beruf als Lehrer und hatte für die Märkte keine Zeit.
Ein paar Künstlernamen für die Rockband mussten her und wir einigten uns auf „Thomas der Münzer“ (er hatte die Bandkasse in Verwahrung), „Der Morgenstern“ (das lag ja nahe) und „Die Lutter“ (ich hoffe mal wegen der damals noch langen Haare) hängen. Alle anderen waren ja schon versorgt.
1998 sollte ein wirklich stressiges Jahr für uns werden. Neben einigen Rockshows in den ersten beiden Monaten wurde im Studio an „Hameln“ gefeilt, neue Kostüme mussten her und „Vielklang“ signalisierten plötzlich doch ernsthaftes Interesse an einer Zusammenarbeit. Ende Februar besuchten uns Doro, Jörg Fukking („Vielklang“-Chef) sowie Ekki Strauhs und Trosi Trosien (das Produzententeam) auf einem Konzert im Cottbuser Gladhouse und machten uns kurz darauf ein Angebot für eine CD-Produktion. Schon Mitte März sollte es ins Studio gehen und im Juni sollte bereits die CD erscheinen. Am 2.3.1998 unterschrieben wir schließlich einen Künstlervertrag bei „Vielklang“ – wohl ziemlich überstürzt, aber hinterher ist man ja immer schlauer!
Es wurde chaotisch. Die Mittelaltersaison begann im April, wir mussten am neuen Programm feilen, die Songs für die Rock-CD mussten noch einmal überarbeitet werden und die Produktion von „Hameln“ war ebenfalls noch nicht ganz abgeschlossen. Und zwischendurch spielten wir immer wieder ein paar Konzerte. Irgendwann Ende März war es dann soweit und wir prügelten innerhalb von 12 Tagen „Weckt die Toten“ auf die Bandmaschine. Am 11.April standen wir dann schon wieder  auf dem Mittelaltermarkt auf Burg Rabenstein – die Mittelalter-Premiere für Reiner und mich. Und um das Fass noch voll zumachen, zogen wir im März auch noch in einen neuen und größeren Proberaum um, da der alte durch unsere mittlerweile großen Requisiten aus allen Nähten zu platzen drohte. Selbstverständlich war der neue Raum ein ehemaliger Kohlenkeller in Thomas Schule, so dass wir mit unseren aus dem Baumarkt geliehenen Karcher-Spritzen noch eine Woche im Schlamm baden durften.
Die Mittelaltersaison hatte es in sich und wir waren permanent unterwegs: Angefangen von der Burg Rabenstein ging es weiter über Hamburg, Meißen, Gotha, Einbeck und Brandenburg wieder zurück nach Hamburg, bevor dann die Märkte in Oberwesel, Wittenberg, Lauchröden, Dresden, Delitzsch, Weißensee, Coburg, Horsens in Dänemark, Hoyerswerda, Berlin und Goßlar an der Reihe waren –  immer für mehrere Tage versteht sich. Aber es fand sich auch immer wieder sogar die kleinste Lücke im Terminkalender und so spielten wir als Rockband u.a. in Dresden, auf dem „Wave-Gotic-Treffen“ in Leipzig, auf mehreren Biker-Treffen, in Gera, Mainz, Meppen, auf der Burg Wandersleben, auf dem „Wacken-Festival“ und der „Pop komm“ in Köln – nicht zu vergessen die vielen Promo-Aktivitäten für „Weckt die Toten“, die aus mehreren Fotoshootings, verschiedenen Treffen mit Journalisten in Berlin und einer Interviewtour quer durch Deutschland bestanden.

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