In Extremo/ Live in Wacken – ein Fanzinbeitrag:

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Zur späten Stunde (…und ich gut ein im Kahn – BECK´S RULES!) liefen meine Kumpels und ich zur zweitgrößten Bühne des Festivals, um uns das Spektakel IN EXTREMO mit eigenen Augen anzusehen (lesen kann man viel, aber mit eigenen Augen SEHEN!!!) Was sich dann in der folgenden Stunde abspielte, sollte man schon als sehr gelungenen Live-Gig werten (auch wenn es einige Zeit dauerte, bis das Zeug auf die Bühne gekarrt worden war, toll sah es dennoch aus!) Tausende Besucher versammelten sich trotz später Stunde vor der Bühne und wurden schon beim ersten Stück „Der Galgen“ nicht enttäuscht. Was dann folgte konnte man leicht schon an dem Werk „Weckt die Toten!“ erfahren: „Rotes Haar“, „Ai Vis Lo Lop“, „Palästinalied“, „Vor vollen Schüsseln“… usw. (…und glaubt mir, die Toten wurden ERWECKT!) Auch die Bühnenshow konnte voll überzeugen: Viel Feuer, Blitz, … Weiterlesen

Wie eine Blaskapelle unser Leben veränderte – von Thorsten Wildhardt

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Im Mai 1998 kauften wir uns einen alten Mercedes Feuerwehrbus (Baujahr 1961), der zum Wohnmobil ausgebaut war. Wofür genau, das war nicht so ganz klar, weil wir beide keine Anhänger von Camping waren, aber die Form des Autos faszinierte uns. Im gleichen Monat besuchten wir an Pfingsten das „mittelalterliche Spectaculum“ in Oberwesel, unseren 2. Mittelaltermarkt überhaupt. Wir vernahmen seltsame, noch nie zuvor gehörte Musik und ergründeten ihre Herkunft. Auf der Hauptbühne standen einige seltsam gekleidete Herren, die auf erstaunlichen Instrumenten Musik machten. Diese Musik war derartig mitreißend, dass es selbst biedere Krawattenträger auf der Tribüne von ihren Sitzen riss. Unglaublich, diese Musik ging sofort ins Ohr und wollte gar nicht mehr raus!
Nach dem Auftritt kam es zu tumultartigen Szenen, als Micha verkündete „Ihr könnt uns mit nach Hause nehmen … in Form dieser silbernen Scheiben“. Wer live dabei war hätte meinen können, dass er zum sofortigen Massenaufstand aufgerufen hätte. Nicht alles, dass sich die Menschenmassen um die CDs und die … Weiterlesen

Interview „Das Teil“

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Auf vielen Festivals des letzten Sommers sorgten In Extremo durch ihr Auftreten, durch das Verbinden von mittelalterlichen Klängen mit Metal und durch ihre Trinkfreudigkeit für Furore. Das mittelalterliche Flair, das z.B. schon durch Subway To Sally und die Merlons auf Open Airs oder in die Konzertsäle einzog, wurde durch die Berliner noch weiter fortgeführt. Etwas bodenständiger erschienen die harten Klänge von In Extremo. Damals, im letzten Jahr, irgendwann im Juni spielten In Extremo auch beim „Rock an der Schnauder-Festival“ in Meuselwitz. Etwas stolz sind wir noch immer, dass wir festivalmäßig die Ersten waren, die euch im „Das Teil“ – Einzugsgebiet diese Band präsentieren konnten. Lange, eigentlich fast schon zu lange hat es gedauert, bis wir endlich dazu kamen, ein Interview mit dem Letzten Einhorn (Sänger der Band, auch Micha genannt) und seinen Mitstreitern zu führen.
In Extremo – das Interview. Wir sprachen über die zwei Projekte der Band (auf den Mittelaltermärkten und als Rockband), über die Frage von Trends und über alte Bekannte – Aber lest selbst… … Weiterlesen

Durchgeknallte Jesusfreaks

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Doch zurück zu „Weckt die Toten!“. Nun hatten wir Mitte August plötzlich unsere erste Rock-CD in den Händen und wir waren mächtig stolz auf das Ergebnis. Jetzt trafen auch die ersten Rezensionen der Presse ein und wir waren sehr gespannt, wie die „Öffentlichkeit“ unser Werk aufnehmen würde. „Rock Hard“-Mühlis Rezension stellte aber schon mal alles in den Schatten:

„In Extremo heißen die Herzensbrecher des Jahres – und sie werden auch eure Seelen für sich gewinnen. …mir kamen wirklich Tränen der Freude und der Rührung (…) Bereits mit ihrem ersten Longplayer machen sich diese Berliner Vagabunden unsterblich…“ 9,5 von 10 Punkten
(Wolf-Rüdiger Mühlmann, Rock Hard 7/98)

Während sich Wolf-Rüdiger zu einer 9,5 hinreißen ließ und wir … Weiterlesen

Schuld war nur der Mirabellenwein – von Wolf-Rüdiger Mühlmann

3.Kapitel: 1998 – Das Chaosjahr

Als mich Kay Lutter vor einigen Monaten bat, auch einige Zeilen für dieses Buch zu verfassen, war mein erster Gedanke: Wozu eigentlich eine Schwarte über eine Band, die noch nicht einmal zehn Jahre lang existiert, aus deren Reihen kein Superstar der Marke Robbie Williams, kein gestörter Freak wie Marilyn Manson, kein koksverseuchter Tattergreis wie Ozzy Osbourne, kein waffengeiler Redneck wie Ted Nugent oder kein intellektueller Hobbypolitiker wie Tom Morello entsprungen ist? In Extremo – das sind alles nette Kerle, die ihre Bücherregale und Dudelsäcke selber bauen, prima Kumpels von nebenan, Typen, mit denen man gern zusammen ein Bier trinkt. Aber reicht das bereits für ein Buch aus?
Eigentlich nicht. Aber dann erinnerte ich mich an die Anfangszeit, die (um es mal international zu sagen) „early days“ dieser Gruppe. Ich erinnerte mich daran, wie diese Band – in bunten Lumpen verpackt, mit bimmelnden Glöckchen an ihren unverschämt spitzen Lederstiefeln (Marke Eigenbau), mit allerlei quäkenden Blasinstrumenten und vorlautem Mundwerk – auf Mittelaltermärkten das machten, was … Weiterlesen

Der Spielmannsfluch

4.Kapitel: 1999 – Und alles wird ganz anders!

Nun würde alles gaaaaaanz anders werden, das zumindest schworen wir uns – aus dem letzten Jahr würden wir unsere Lehren ziehen: Wir würden in aller Ruhe die neue Platte einspielen und ganz entspannt ins neue Jahr blicken.
Das „Rock Hard“ machte uns zum Jahresanfang wieder glücklich: Immerhin erreichten wir mit „Weckt die Toten!“ Platz 54 der Lesercharts-Jahresauswertung, wenn man bedenkt, dass  die CD erst ab dem Spätsommer im Handel war, ein mehr als respektables Ergebnis! In der Monatshitparade landeten wir immerhin schon auf Platz 11 und es gab sogar das 1. In Extremo-Poster – auf der Rückseite von Slayer! Im nächsten Heft wurden wir gar die „Newcomer des Jahres 1998“ und erreichten beim „Album des Jahres“ Platz 19. Da konnte ja eigentlich nichts mehr schief gehen!
Aber wie das immer so ist mit den guten Vorsätzen, spätestens am 2.Januar werden sie über Bord geschmissen! „Vielklang“ hatte mit vielleicht 2.000 verkauften Exemplaren von „Weckt die Toten!“ gerechnet – nun im Januar war bereits das 20fache über die Ladentische gegangen! Auch unser Akustikalbum „Die Verrückten sind in der Stadt“ lag ganz gut im Rennen. Leider hatten wir Dank des überstrapazierten Terminplanes wenig Zeit … Weiterlesen

Der Feuerunfall

4.Kapitel: 1999 – Und alles wird ganz anders!

Für das große Capitol luden wir uns unsere tschechischen Ritter wieder ein, mit denen wir hin und wieder schon ein paar Bühnenshows veranstaltet hatten. Im letzten Drittel des Konzertes hatten wir vor, eine Art Schaukampf zu veranstalten, an dessen Ende Micha im Rahmen seines Feuerspuckens den benzingetränkten Umhang eines der Ritter entzünden sollte. Bis dahin ging alles gut. Doch kaum hatte Micha auf den Mantel gespuckt, gab es einen mächtigen Rückschlag – der Typ hatte seinen Mantel dermaßen getränkt, dass man damit hätte ein Hochhaus in die Luft hätte sprengen können! Der Ritter taumelte orientierungslos über die Bühne, währenddessen Micha, mittlerweile wieder am Mikro, versuchte, ihn von sich wegzustoßen. Doch beide prallten zusammen und Micha stand Dank des Benzins in Flammen. Wir standen unterdessen auf unseren Podesten und konnten nichts tun. Micha stürzte hinters Schlagzeug zur Backstagetür und versuchte, das Bad zu erreichen. Gott sei Dank waren Leute vom Roten Kreuz in der Nähe, die ihm halfen. Wir standen noch völlig geschockt auf der Bühne und … Weiterlesen

Fast ein Naturereignis – von Gunter Haug

4.Kapitel: 1999 – Und alles wird ganz anders!

Wann ich zum ersten Mal von ihnen gehört habe? Ich weiß es nicht mehr ganz genau! Das muss wohl so ungefähr im Jahr 1997 gewesen sein, oder ´98. Ist ja eigentlich auch egal! Aber gut: Was hatte ich als Erstes über sie gehört? Dass es da irgend so eine Ossi-Truppe gäbe! Unglaubliche Chaoten mit unglaublich schrecklicher Musik! Empörend! Einerseits…
Und andererseits hat mir eine andere recht bekannte Gruppe aus dem Berliner Osten berichtet, da gäbe es jetzt noch so eine Gruppe, die dieselbe Musik wie sie machen würde: Nur viel schlechter halt! Ein übler Abklatsch! Empörend…
Wer so viel Neid und Aggression auf sich zieht, muss interessant sein! Das zumindest lautete dann meine eigene Schlussfolgerung. Und ich war neugierig geworden. Neugierig auf diese Gruppe namens In Extremo, die so extremo-mäßig viele Emotionen angeheizt hatte. Denn immerhin: Neid muss man sich erarbeiten, Mitleid dagegen gibt’s umsonst! Mit anderen Worten: … Weiterlesen