9.Kapitel: Portraits

Wie bist du zur Musik gekommen?
Eigentlich durchs Elternhaus, ich hatte damals Unterricht für Querflöte (Bach, Händel und so´n Kram).
Kannst du dich noch an das erste Konzert erinnern, welches du besucht hast? Wie war das?
Mein erster Konzertbesuch war in  der Rostocker Nikolaikirche zum Weihnachtsoratorium von Bach, was ich zur damaligen Zeit die ersten zehn Minuten wahnsinnig spektakulär fand, meine Stimmung aber fix abebbte , weil außer Orgel nix kam. So gesehen erklärt sich vielleicht mein unnachgiebiger Hang zur Klassik, wo alle paar Minuten in der Musik etwas Aufregendes passiert.
Wie hieß deine erste Band?
Meine erste Band hieß Eikboom, was ins Hochdeutsche übersetzt so viel wie „Eichbaum“ heißt. Das war eine Folk-Formation, die in der Freizeit das norddeutsche Lied- und Textgut sowie die hartgesottenen norddeutschen Getränke pflegte. Hach Mann, wir waren verdammt jung und der Traum von der Unüberwindbarkeit der eigenen Kraft und der charismatischen Ausstrahlung war längst noch nicht ausgeträumt.
Wann und mit welcher eigenen Band standest du das erste Mal auf einer richtigen Bühne? Kannst du dich noch daran erinnern, wie das war?
Na klar!  Mit obengenannter Folkband bestritten wir eine Art kulturellen Leistungsvergleich zwischen unseren wohlgeliebten POS (Polytechnischen Oberschulen). Es war richtig cool, erstmalig Applaus zu ernten, der nur uns galt. Von da an packte es mich…
Wie war dein musikalischer Weg bis hin zu In Extremo? In welchen Bands hast du vorher gespielt?
Wie bereits erwähnt waren Eikboom der Anfang von allem. Was vielleicht interessant ist: Danach, 1986, ging mein erster Kontakt mit Punkrock vonstatten und zwar dergestalt, dass ich dort dann dafür sorgte, dass in dieser „sehr lautstarken Musik“ Folkinstrumente wie Whistle und Conzertina (kleine Ziehharmonika) zum Einsatz kamen. Das war zur damaligen Zeit schon spektakulär. Die Pogues hätten bestimmt gestaunt, wenn es den kulturellen Austausch zum Klassenfeind damals gegeben hätte. Von dort  aus ging es 1988, nunmehr  22jährig, straight und mit großen Schritten in die Fänge seiner königlichen Majestät „Brandan“. Der Leser möge mir verzeihen, wenn dieser Herr an anderer Stelle noch eingehender beschrieben wird… Unbehurt nannte sich dieses Projekt, welches wir, davon waren wir überzeugt, zu weltweitem Ruhm führen würden. Doch dann kam die Wende und alles wurde anders… Nach  eineinhalbjährigem Aufenthalt in einer  Art esoterischer Wohnkommune im vorpommerschen Saal (die wunderschöne Hautfalte einer Frau ließ mich dort verweilen) ging ich, nun mehr oder auch weniger erwachsen, das Projekt Cradem Aventiure an. diese Band existiert heute noch. Von dort aus ging es dann zu In Extremo.
Gibt es Veröffentlichungen deiner alten Bands? Gibt es andere Veröffentlichungen, an denen du beteiligt warst? Wenn ja, welche?
Mit Cradem Aventiure haben wir ein Tape mit 8 Stücken produziert.1995 erschien eine CD unter dem Titel „in nomini terra musica est“
Wie stellt sich der Beginn von In Extremo aus deiner Sicht dar?
Eher chaotisch, was sicherlich an der „orientalischen Ruhe“, die unseren Sänger umgibt, seine
Ursachen hatte. Auf alle Fälle hatte ich schon damals das Empfinden, das es dieses Mal ein bisschen mehr wird als sonst.
Deine 3 Lieblinsbands oder Musiker:
Rage Against The Machine, Tool, Enya – wenn ein 4. genehmigt ist: „Bohlen“
Deine 3 Lieblingsplatten:
Alles von Rage Against The Machine „fro, fro” von Ioculatoris und „Rosensfole” von Agnes Buen Garnos
Die 3 besten Konzerte anderer Bands, die du je besucht hast:
1994 die Inchtabokatables im Rostocker MAU,  Rammstein in der Berliner Arena,
Knorkator in Schlettwein mitten im Herzen Zoppingens, wo mein Kollege Pelzkragen und ich sich eigens für das Konzert „schickgemacht“ haben und ich der Vorband – aus der ersten Reihe heraus versteht sich – mit Handzeichen bedeutet habe, dass sie schon lange über die Zeit waren. Jene Vorband hieß übrigens Fiddlers Green. Mann, war´n wir blau…..
Die 3 besten Konzerte, an denen du selbst mitgewirkt hast (inklusive In Extremo):
Der erste In Extremo-Gig im Berliner Franz-Klub, Hamburg Große Freiheit 36 auf der Weihnachttour 2002, und frühmorgens auf‘m „Bizzare Festival“, wo ich nicht etwa schickgemacht war, nein, aber kennt ihr das Gefühl eines Bierchens auf den Rest von gestern???
3 Lieblingsfilme:
„Herr der Ringe“,  „Der Seewolf“, „Einer flog über das Kuckucksnest“
3 Lieblingsbücher:
Marion Zimmer Bradley „Die Nebel von Avalon“ , Jack London „Der Seewolf“, Stanislav Lem „Eden“
3 Lieblingssongs:
Clawfinger: „Two Sides“, Knorkator: „Weg nach unten“ und Agnes Buen Garnos: „Rosensfole“

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