9.Kapitel: Portraits

Wie bist du zur Musik gekommen?
Als Kind hörte ich schon sehr früh durch meine älteren Geschwister harte Rock- und Bluesmusik, von den Doors bis Janis Joplin. Mit 12 Jahren war ich dann das erste Mal ohne meine Eltern zusammen mit meinen Kumpels zelten. Der Zeltplatz hieß „Luthermühle“ und lag bei Großbartloff in Thüringen. Abends an den Lagerfeuern spielten die Typen, die sich die Mädchen schnappten, Gitarre. Eine Woche später besorgte ich mir eine Wandergitarre. Ich übte jede freie Minute und spielte 3 Wochen später am Lagerfeuer mein erstes Lied: „Lady In Black“ von Uriah Heep – in Deutsch: „30 Meter im Quadrat, Mienenfeld und Stacheldraht, nun wisst ihr wo ich wohne, ich wohne in der Zone…“ An diesem Abend bekam ich meinen ersten Kuss von einer Petra – der erste Kontakt zum weiblichen Geschlecht. Das war mein musikalischer Einstieg.
Kannst du dich noch an das erste Konzert erinnern, welches du besucht hast? Wie war das?
Als ich 10 Jahre alt war kam an einem Sonntag um 11.45 Uhr ein Konzert der Rolling Stones im Fernsehen. Ich durfte genau 15 Minuten zuschauen, da die Familie sonntags um 12.00 zu Mittag isst. Der Fernseher wurde gnadenlos ausgeschaltet, doch diese 15 Minuten haben bei mir alles verändert: Ab jetzt wollte ich nur noch Rockmusik hören. Mit 11 Jahren erlebte ich mein erstes Rockkonzert auf dem Saal in meiner Heimatstadt Leinefelde, es spielten die Klaus-Renft-Combo aus Leipzig und Vital aus Erfurt. Mein Bruder hat mich ohne Wissen meiner Eltern mit zum Konzert genommen. Danke noch mal für diesen Gefallen. Für mich war dieser Tag ein unvergessliches Erlebnis.
Wie hieß deine erste Band?
Meine erste Band hieß Nr.13, ich habe sie 1983 gegründet.
Wann und mit welcher eigenen Band standest du das erste Mal auf einer richtigen  Bühne? Kannst du dich noch daran erinnern wie das war?
1977 stand ich zum ersten Mal auf einer richtigen Bühne. Ich spielte mit der Bluesband Liederjan zusammen. Ich bettelte so lange bei meinen Eltern bis ich bei meinem Freund Marcus Trost schlafen durfte, der nur 3 Häuser weiter wohnte. Wir fuhren mit dem Moped, was wir uns ohne zu fragen von seiner Schwester holten, nach Heuthen. Ohne Führerschein. Dort spielte an diesem Abend Liederjan. Nach den ersten 3 Bieren fragte ich den Sänger, ob ich mitspielen darf. Er sagte ja. Ich hatte 3 Mundharmonikas, in C, D und F-Dur. Ich spielte und spielte und für mich war klar, dass die guten Ratschläge meiner Eltern und die Schule ab jetzt zur Nebensache geworden sind. Ich wollte nur noch Musik machen.
Wie war dein musikalischer Weg bis hin zu In Extremo? In welchen Bands hast du vorher gespielt?
Das erste Mal stand ich bei Liederjan aus Eisenach mit auf der Bühne, später dann noch bei Frachthof aus Weimar und Jürgen Kerth, einem Bluesgitarristen aus Erfurt. Dann gründete ich 1983 mit  Nr.13 meine erste eigene Band. Das habe ich Andre Greiner Pol von Freygang zu verdanken, der immer darauf drängte, dass ich mein eigenes Ding machen sollte. 1985 wurde Einschlag gegründet, bis auf unseren Bassisten war diese Band dieselbe wie Nr.13, doch unter diesem Namen hatten wir mittlerweile Spielverbot. 1987 wurde Noah gegründet, wo ich bei der anstehenden Einstufung unter falschem Namen auftrat. 1990 trieb ich mich, wann immer es möglich war, auf mittelalterlichen Märkten herum. Ich war von dieser Musik begeistert und nervte sogar meine Musiker von Noah damit. 1992 stand ich dann das erste Mal als Musiker auf einem Mittelaltermarkt – Brandan von Corvus Corax hatte mich mitgeschleppt. Hier spielte ich mit Bernd Dobbrisch (Willi von Corvus Corax) und Karsten Liehm (Achmed). Auf demselben Markt spielten auch Teufel (Mike Paulenz), Bo und Hatz, die immer etwas im Windschatten von Corvus segelten. Teufel war kurz zuvor von Corvus Corax rausgeschmissen worden und hatte  hier bereits seine neue Band Pullarius Furcillo am Start. Doch sie kamen mit ihrem Trommler Hatz nicht klar, so dass ich noch an diesem Abend dort einstieg. Leider erfuhr Hatz erst ein paar Wochen später davon. Wir probten und probten und spielten auch bald die ersten Klubkonzerte in Rockläden, zu denen ich über Noah noch Kontakte hatte. Leider starb wenig später mein Kollege und Freund Bo bei einem Autounfall. Wir traten fortan nur noch als Duo auf, immerhin fast 5 Jahre lang. 1995, am Ende der Saison, teilte mir Mike Paulenz mit, er steige wieder bei Corvus Corax ein. Pullarius Furcillo gab es nicht mehr. 1995 gründete ich, zusammen mit Conny Fuchs, in einem kleinen Dorf bei Siegen dann In Extremo. Wir zogen, zusammen mit Flex dem Biegsamen und Dr. Pymonte, wieder über die Mittelaltermärkte. Conny wurde schwanger und verließ wenig später die Band.1996 stießen die Kollegen von Noah mit dazu und In Extremo wurde zu einer Rockband – mein langgehegter Traum von „mittelalterlicher Rockmusik“ mit total verrückten Instrumenten wurde zur Wirklichkeit.
Gibt es Veröffentlichungen deiner alten Bands? Gibt es andere Veröffentlichungen, an denen du beteiligt warst? Wenn ja, welche?
Nr.13 „Arestide“ (Kassette)
Noah „Hilf deiner Polizei – schlag dich selbst“ (LP)
Noah „Desert Storm“ (Single)
Noah „Aufschwung Ost“ (CD)
Schandmaul – Gastgesang bei „Willst du´s extrem“ (DVD „Hexenkessel“)
Grave Digger – Gastgesang bei „Rheingold“ (CD „Rheingold“)
Neues Glas aus alten Scherben –Mundharmonika, als Gast (CD)
Schelmish – Gastgesang bei „Veris Dulcis“ und „Le Povre Villon“ (CD „Tempus Mutatur“)
„Kinder der Nacht“ (Kinofilm)
Deine  Lieblingsbands:
Doors, Motörhead, Filter, Led Zeppelin
Deine  Lieblingsplatten:
Alles von Led Zeppelin und Ton Steine Scherben, die Soloalben von Keith Richards, „Bastard“ von Motörhead, „The Amalgamut“ von Filter, „The Doors live“, „Monarchie und Alltag“ von Fehlfarben und noch viel mehr.
Die besten Konzerte, die du besucht hast:
Die Rolling Stones 1989 in Berlin: Mein erstes Konzert im Berliner Olympiastadion mit 80.000 Besuchern und ich in der zweiten Reihe, dann Clawfinger 2002 im Primeklub in Köln, Filter beim „Highfield Festival“ 2002, Skunk Anansie… für alle reicht der Platz nicht!
Die 3 besten Konzerte, die du selbst gespielt hast (inkl. In Extremo):
Ein Konzert in Neukirchen bei Eisenach 1986 – ich wurde nach dem Auftritt von der Polizei in Handschellen abgeführt. Die Begründung lautete, ich hätte Texte gesungen, die auf die Jugendlichen in der DDR nicht positiv wirken und der Klassenfeind habe mich schon zu sehr beeinflusst usw. usf. Nach 2 Tagen Verhör durfte ich gehen, nun aber ohne die in der DDR notwendige Spielerlaubnis. Eine Woche später spielten wir unter falschem Namen in Creuzburg, wo das Publikum lauthals „Freiheit für Michael Rhein“ und „Es lebe Nr.13“ forderte. Daraufhin wurde uns die Spielerlaubnis für unbestimmte Zeit entzogen, der Proberaum durchsucht und alle Musiker verhört. Das 2. Konzert war die Einstufung mit meiner Band Noah 1987 unter falschem Namen – hier bekam ich meine Spielerlaubnis wieder zurück. An diesem Abend war ich nicht Michael Rhein sondern Robert Rain. Der Name war nicht mal ganz so falsch, da ich mit Michael Robert Rhein einen Doppelnamen habe. Es hat funktioniert. Dieses Konzert war im September 1987 in der Berliner Langhannsstraße, auch Thomas der Münzer war schon mit dabei. Dann gehören eigentlich alle Konzerte von In Extremo mit dazu – bis auf ganz wenige Ausnahmen. Ein Konzert mit In Extremo ist für mich immer ein Erlebnis und ich bin glücklich, in so einer Band spielen zu dürfen. Seit unserem ersten Rockkonzert auf dem mittelalterlichen Markt in Leipzig 1997 war für mich klar: Genau das ist die Band nach der ich gesucht habe!
Deine Lieblingsfilme:
„Wir können auch anders“ von Detlef Buck, „Das Schweigen der Lämmer“, „Themrock“, Filme in denen Klaus Kinski die Hauptrolle spielt, außerdem bin ich Monty Pyton-Fan.
Deine  Lieblingsbücher:
Ich mag alles von und über Klaus Kinski, die gesammelten Werke von Francois Villon, „Der Strand“ von Alex Garland, „Abgefahren (In 16 Jahren um die Welt)“ von Claudia Metz und Klaus Schubert und „Allein gegen den Wind“ von Wilfried Erdmann.

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