Schwarze Löcher

Starlight – Muse (Black Holes and Revelations/2006)

Chaosforscher Dr. Rössler warnt seit Monaten eindringlich vor den Experimenten am Labor für Teilchenphysik CERN in Genf, denn er befürchtet die Entstehung von kleinen Schwarzen Löchern, die binnen 50 Monaten die Erde auffressen könnten. Ich verstehe nicht wirklich was er meint, denn wenn ich es recht bedenke, sind mir Schwarze Löcher schon seit ein paar Jahren bekannt. Man versucht sich krampfhaft an etwas zu erinnern, doch anstelle der Erinnerungen findet man nur eine ganze Reihe eben dieser schwarzen Löcher. Sie werden immer größer, was einem natürlich Angst machen kann, ob sie allerdings jemals die gesamte Erde verschlingen können, wage ich zu bezweifeln. Und wenn wäre es mir auch egal, denn ich würde es ja kaum mitbekommen.

Far away
The ship is taking me far away
Far away from the memories
Of  the people who care if I live or die

Es gibt Dinge, die sind einfach nicht wichtig genug, um dauerhaft einen Platz in unseren Gedanken zu finden und es gibt Dinge die so peinlich sind, dass man sie gern ausblendet, was nicht immer gelingt. So gesehen kenne ich sogar positiv und negativ geladene Schwarze Löcher. Das einzige Mittel um sie wirksam bekämpfen zu können, ist das Schreiben eines Tagebuches. Und so begann ich irgendwann auch einmal damit. Ich weiß nicht mehr warum, vielleicht war ja einfach der Gedanke zu verlockend, sich irgendwann in ferner Zukunft zu Hause auf das Sofa zu legen und darin zu blättern:

„Mittwoch, 12.Mai 1982, heute war Russischprüfung. Musste komplett von Kati Keller abschreiben, die sich auch nicht gewehrt hat. Habe leider vergessen mich bei ihr zu bedanken und sie zu fragen ob sie meine Freundin werden will. Ist jetzt aber sowieso egal, ich gehe in 2 Monaten nach Berlin!“

„Samstag, 15.Mai 1982, Konzert mit Madstop im Glaskasten fällt aus. Die wollen keine Rockbands mehr und machen nur noch Diskotheken. Blöder Popperschuppen!“

Es liest sich mittlerweile lustig, kostete aber Zeit. Vertrödelte Lebenszeit. Was aber viel schlimmer war: Man musste sich plötzlich nicht mehr erinnern, denn es stand ja alles im Tagebuch! Alzheimer und Co war quasi Tür und Tor geöffnet. Alzheimer hat zwar unbestritten den Vorteil, dass man sich irgendwann jeden Tag neu kennenlernen kann, aber wer will das schon wirklich? Die Oma meines alten Schulfreundes Rudi schwor zur Vorbeugung hingegen auf das Lösen von Kreuzworträtseln. Die würden hin und wieder die grauen Zellen auf Trab halten und den Schwarzen Löchern Einhalt gebieten.
„Rudi?“, klang es eines Nachmittags dann aus der Küche, „Rudi, aromatisches Heißgetränk mit sechs Buchstaben? Ist das Kaukau?“
Ich habe mein Tagebuch irgendwann einmal verbrannt. Wollte ich denn in zwanzig Jahren wirklich lesen, dass Dirk Schneider mir Simone ausgespannt hatte und ich zu schüchtern war, um Kati anzubaggern? Dass ich die Texte der neuen Songs meiner Band total bescheuert fand und ich sowieso in den nächsten drei Wochen aussteigen würde? Dass ich mir erst einmal ein Fremdwörterbuch kaufen musste, um die Vorlesung an der Hochschule halbwegs verfolgen zu können? Dass ich immer noch nicht wusste was Didaktik war? Nein, ich hatte keine Lust darauf und außerdem war es mir in höchstem Grade peinlich. Die wichtigen Dinge würde ich mir ohnehin merken können, die unwichtigen würden von ganz allein in den endlosen Weiten des Universums landen, aus den peinlichen Vorfällen würde man vielleicht sogar noch etwas lernen, die ganz krassen Ausrutscher würden einfach unter den Teppich gekehrt. Ich wollte mich nicht mit dem Zurückblicken aufhalten, zumal das eine Eigenart ist, die sich mit dem Musikmachen sehr schwer vereinbaren lässt. Es sei denn man steht auf Ostrock und hat die Wende nicht richtig verkraftet.
Und doch fing ich irgendwann wieder damit an eine Art Tagebuch zu schreiben. Nein, es wurde kein richtiges Tagebuch. Es wurde eher so eine Art Tabelle, in der ich alle meine Konzerte penibel aufgelistet habe. Ab und an nehme ich mir diese Liste, blicke ungläubig auf die Daten und versuche mich krampfhaft daran zu erinnern. In den meisten Fällen funktioniert das auch, andere Termine hingegen sind mir völlig schleierhaft, so dass ich Stein und Bein schwören würde, niemals dort gewesen zu sein.

„17.4.1982, Schloss Marquardt, Konzert mit Madstop“

Madstop, meine allererste Band. Gott hab sie selig! Ich weiß noch wie unser Konzert nach 15 Songs beendet war und die Leute eine Zugaben forderten. So spielten wir das ganze Programm eben noch einmal von vorn. Meine Freundin war stolz auf mich und ich auch. In Potsdam gab es schließlich nicht viele Rockstars.

„7.5.1983, Flatow, Sportplatz, Konzert mit Bab“

Bab war die erste Band mit der ich regelmäßig Konzerte spielte und über die Brandenburger Dörfer zog. Flatow lag wie mitten in der Brandenburger Pampa. Wir kamen dort mit unseren schwer überladenen Anhängern auf die Wiese gefahren und fragten uns zur Bühne durch. Nicht weit entfernt von uns standen zwei Traktoranhänger, von denen gerade mit einem Schlauch die Kuhscheiße abgespritzt wurde. Für die Musiker nur das Beste! Sturer Blick aufs Honorar!

„28.1.1985, Berlin, Franzklub, Konzert mit Freygang“

Die erste Einstufungsveranstaltung die ich erleben musste. Meine Band Freygang stand nach zwei Jahren Spielverbot wieder in den Startlöchern. Die Hauptband Monokel verweigerte uns die Mitbenutzung ihrer Anlage, so dass unser Konzert kurz vor Beginn schon vor dem Abbruch stand. Arschlöcher! Mein Hippieverständnis bekam einen großen Riss.

Es scheint also doch noch alles in Ordnung mit mir zu sein. Bei manchen Bands habe ich sogar das Gefühl man könnte mich nachts wecken und sagen: „Kay, los, wir müssen gleich anfangen!“, und ich würde zumindest grundlegend noch das meiste hinbekommen. Doch nun
traue mich kaum weiter zu blättern, denn ein paar Seiten weiter hinten beginnt sie plötzlich, die Flut an Schwarzen Löcher. Es sind die Seiten, die ich gern überschlage.

„24.2.1987, Magdeburg, Neu Olvenstedt, Konzert mit M&M“

Das hatte ich komplett verdrängt! Das ganze üble Jahr 1987, es ist einfach weg! Meine alte Band Freygang wurde im September 1986 von heute auf morgen verboten, danach saß ich ein paar Monate lethargisch zu Hause herum und wusste nicht, was ich mit mir anfangen sollte. Ich konnte Bass spielen, aber mehr auch nicht. Ich hatte zwei linke Hände, wohnte in einer Wohnung, die mir nicht gehörte, meine Freundin studierte, das Konto war leer und der Kühlschrank ebenfalls. Da plötzlich klingelte es an der Tür und ein kleines Männlein fragte, ob ich in seiner Countryband den Bass zupfen würde. Sie bestehe aus ihm, einem Rhythmuscomputer und wenn ich noch einen Gitarristen kennen würde, dann eben noch aus einem weiteren Mitglied. Es wäre eilig, denn die Konzerte waren bereits gebucht. Also ging ich rüber zu unserem alten Gitarristen Egon und überredete ihn mitzumachen. Geteiltes Leid wäre halbes Leid, uns würde in diesen Läden niemand erkennen und es gäbe hin und wieder sogar etwas Bargeld. Was für eine Scheiße!
Zwei Wochen später fanden wir uns in einem Wartburg Tourist wieder, der in Richtung Magdeburg rollte. Wir würden in der Pause einer Diskothek spielen müssen, schlimmer noch, denn wir würden zukünftig immer in den Pausen von Diskotheken spielen müssen. Ich hatte eine Weile gebraucht, bis ich das Schlamassel begriffen hatte. Ich hasste Countrymusik, ich hasste Diskotheken, doch das Gute war irgendwie, dass dieser Hass scheinbar beim Publikum auch auf Gegenliebe beruhte. Der einzige Grund nämlich, dass wir in diesen Läden spielten durften und obendrein noch Geld dafür bekamen war der, dass die Veranstalter bei einem „Kulturbeitrag“ (das waren wir!) zwei Mark mehr Eintritt nehmen durfte. Zwei Mark Kopfprämie, das hieß also Geldverdienen unter Lebensgefahr. Der Osten war schon ein merkwürdiges Land. Abends im Hotel diskutierten Egon und ich über unsere aussichtslose Lage und wir gingen die Fluchtmöglichkeiten durch. Es gab so gut wie keine, denn unsere eigene Band war verboten und blieb es wohl auch bis ans Ende aller Tage. War das Verkaufen von T-Shirts und selbstgebastelten Ohrringen an der Ostsee denn wirklich besser?
Wenig später traf ich auf die Hof-Blues-Band, eine wunderbare kleine Bluesband, mit der ich in den kommenden Jahren so oft wie möglich um die Häuser zog. Wir spielten auf Blues- und Jazzfestivals quer durch Ostdeutschland, wir spielten zusammen mit großartigen Musikern wie John Mayall, Vince Weber oder Colin Hodgkinson und ich begann meinen Stolz wiederzugewinnen, den ich in Magdeburg-Neu Olvenstedt an der Garderobe abgegeben hatte. Unnötig zu sagen, dass mein Erinnerungsvermögen an die Hof-Blues-Band geradezu perfekt ist. Doch leider mussten die Musiker, im Gegensatz zu mir, nicht von der Musik leben und hatten auch noch andere Jobs. Die Hof-Blues-Band war nur eine schöne Nebenbeschäftigung.
Es reichte hinten und vorn nicht, so dass die grauenhafte Countryband weiter einen Großteil meiner Zeit und Nerven beanspruchte. Es war eben mein Beruf und ich schätzte ihn immer noch besser ein als zum Beispiel Parkwächter zu sein. Doch Egon und ich fühlten uns nicht mehr als Künstler. Wir wurden zu einer Art Notgemeinschaft, die ihren Frust versuchte mit Alkohol abzutöten. Ich fühlte mich nicht einmal mehr als Bassist, denn dieser Country-Schwachsinn hatte nicht das Geringste mit Musik zu tun. Es war Müll, Müll der Geld brachte. Wenig Geld.
Nach den Konzerten mit unserer ehemaligen Band Freygang, bei denen fast jedes Konzert ausverkauft war und die Leute sich sogar gewaltsam Einlass verschaffen mussten, um uns zu sehen, waren wir nun endgültig auf der untersten Stufe der Musikevolution angelangt. Mit Staunen lese ich heute, dass wir in Orten wie Eisleben, Wernigerode (hier gab es sogar zwei Auftritte an einem Tag), Velten, Saßnitz oder auch Gommern gewesen sein sollen. Wo zum Teufel liegt Gommern? In meinem Kopf macht sich ein riesengroßes Schwarzes Loch breit.

Our hopes and expectations
Black holes and revelations

Anfang 1988 nahte scheinbar Rettung. Kerschowski, eine ziemlich erfolgreiche DDR-Rockband, suchte einen Bassisten mit Berufsausweis. Bassist war ich, einen Berufausweis hatte ich auch, vor allem aber musste ich weg von der Countrymusik, die so langsam begann mein Gehirn aufzuweichen. Kerschowski galten in der Szene zwar als etwas angepasst und bürgerlich, zumindest wenn man das Ganze vom Freygang-Standpunkt betrachtete, doch im Gegensatz zu den anderen professionellen Ostbands waren sie geradezu revolutionär, zumindest was die Texte anging. Ich freute mich auf großartige Konzerte und vor allem auf etwas Rock’n’Roll, doch so einfach ließ der sich hier auch nicht blicken. Ich hatte ihn in den letzten Monaten wohl endgültig vergrault und er hatte meinen Namen wohl schon komplett aus seiner Adresskartei gestrichen:

Lutter, 9 Monate Countrymusik auf Bewährung, danach Umerziehungslager in Ost-Rockband, keine vorzeitige Entlassung möglich!

Doch davon ahnte ich zu diesem Zeitpunkt natürlich noch nichts. Ich saß bei Kerschowski im Proberaum herum, der sich weit draußen am Berliner Stadtrand befand und wartete darauf endlich wieder den Verstärker aufreißen zu können. Stattdessen fand ich mich unversehens in einem Diskussionszirkel wieder. Es ging um die Texte, vor allem aber um deren intellektuellen Inhalt und die Ansprüche im Allgemeinen. Musik war hier irgendwie zur Nebensache verkommen, zumindest grüßte der Rock’n’Roll-Gott nur von weitem und verschwand dann plötzlich auf Nimmerwiedersehen. Also quälten und redeten wir uns endlos durch die neuen Stücke des Sängers, deren Texte mindestens zehn Strophen haben mussten, um das Wichtigste darin ausdrücken zu können, während bei mir zu Hause Motörhead auf dem Plattenteller lag. Die stellten in 2:53 Minuten die Weichen, aber Motörhead befand sich in einem anderen Universum, Lichtjahre von Kerschowski entfernt. Auf der Fahrt im Bandbus wurden schließlich die Texte von Bob Dylan und Bruce Springsteen auf das Gründlichste seziert und mit den eigenen Werken verglichen, während wir einer Veranstaltung der Freiwilligen Feuerwehr in Elxleben, der Freilichtbühne in Ferdinandshof oder dem Kreiskulturhaus in Langhennersdorf entgegen rollten.
Nachdem ich nun mehr als ein Jahr mit dabei mitgeholfen hatte, den Stumpfsinn in der gesamten Republik zu verbreiten, brachte ich nun die Hochkultur mit aufs Land. Es konnte nicht funktionieren, vor allem zeigte sich das Publikum an den fünfminütigen Songerklärungen desinteressiert, die dem eigentlichen Song voran gingen. Die Meute wollte am Samstag die Hütte rocken und nicht zu einem Seminar gehen. Der schnöde Mammon war ebenfalls sehr übersichtlich, denn die Band hatte einen riesigen Berg Schulden und bezahlte sie von den Gagen ab. Gott sei Dank gab es noch die Hof-Blues-Band, bei der ich mich bei den wenigen Gigs ausweinen konnte. Doch das Jahr 1988 wollte einfach nicht vergehen und Besserung war auch nicht in Sicht.
Ich war hier wieder kein Bassist, ich war Schauspieler. Doch das Schlimmste: Ich war gerade einmal 23 Jahre alt und träumte schon jetzt davon, dass alles wieder so werden könnte wie früher. Dann plötzlich ein Lichtblick und komischerweise meine einzige wirkliche Konzerterinnerung an Kerschowski, immerhin eine Band mit der ich an die fünfzig Mal auf der Bühne gestanden hatte. Es gab eine Anfrage, ob wir zwei Tage lang im Vorprogramm von Rio Reiser in der Seelenbinder-Halle in Berlin auftreten würden. Wir nahmen das Angebot natürlich an und es wurden zwei unvergessliche Abende, was allerdings weniger an Kerschowski denn an Rio Reiser lag. Nun war endlich die Chance gekommen um als Band Vollgas zu geben, doch stattdessen begann eine weitere mehrmonatige Diskussions- und Gruppenfindungsphase, an der ich mich nicht mehr beteiligen wollte.
Ich hatte keine Lust mehr mich zu verbiegen, nur um Musiker zu sein. Die Hof-Blues-Band gab nebenher weiterhin wunderbare Konzerte, während ich mich unversehens in der Pförtnerloge eines Altenheimes wiederfand. Ein richtiger Job! Ich versuchte dem Ganzen einfach etwas Positives abzugewinnen, ich nahm meinen Bass mit und konnte endlich wieder befreit üben, ich rief nachts aus Langeweile den Wetterdienst in Kanada an, informierte mich über die Wasserstände in Ecuador und freundete mich mit den Omas an, die mir ständig ihre Fotoalben vorbei brachten. Sie liebten meine langen Haare und waren stolz darauf, dass ich ihre Tochter hätte sein können. Auch die Opas hatten meine Arbeitszeit genauestens im Kopf, denn dann durften sie endlich in den Laden geraderüber, um sich Schnaps und Zigarren zu kaufen. Und doch wurde es irgendwann langweilig. Pförtner zu sein ist mit 23 nicht gerade ein Traumstart.
Drei Wochen vor Ostern klopfte es plötzlich heftig an der Scheibe, während ich versuchte in der Loge vor mich hinzudösen. Draußen stand mein Bekannter Ronald und grinste mich an.
„Watt machst du denn hier drinne! Aber sonst geht’s dir noch gut, oder? Ich brauche dringend einen Bassisten!“ Ronald erzählte mir von einer Tanzmusikband, in der man eine Zeit lang gut Geld verdienen könne, wenn man sich nicht zu schade dafür war. „Ob du nun hier für wenig Geld rumsitzt oder wir fahren durch die Gegend, ziehen uns schwarze Anzüge an, binden uns einen Schlips um und verdienen richtig Geld. Da wo die hinfahren erkennt uns keiner!“
Ich war mir da nicht so sicher, aber ich willigte ein. Ich hatte ja mittlerweile genug Schauspielerfahrung, dass ich sogar den Eignungstest in der Wohnung des Bandchefs mit Bravour erledigen konnte. Er legte mir einen Packen Noten auf den Tisch, aus denen ich etwas spielen musste. Er wollte testen ob ich auch wirklich die Noten vom Blatt spielen konnte und nicht nur so tat als ob, doch die Stücke waren so lächerlich einfach, dass ich mir ein Grinsen nicht verkneifen konnte.
„Na gut, du scheinst ja ganz gut zu sein. Wir spielen übermorgen in Luckenwalde. Du bist Punkt 9:00 Uhr hier, mit deinem Instrument und dem Verstärker! Doch vorher kaufst du dir einen Anzug und eine Fliege! Deine langen Haare steckst du hinten in den Kragen, damit es nicht so auffällt – oder du schneidest sie dir ab! Alles verstanden?“
Nun war ich also Mitglied der Norbert-Schönborn-Band und wurde nach dem Tarif meines Berufsausweise bezahlt. Dass Musiker nach Tarif bezahlt wurden, war mir natürlich völlig fremd. Ich musste zusagen, dass ich fest in die Band einsteigen würde, aber Ronald und ich hatten ohnehin nur vor die gutbezahlten Konzerte zwischen Ostern und Pfingsten mit abzugreifen. Ich legte während meines Versprechens auf dem Rücken die Finger über Kreuz, zur Sicherheit! Anschließend besorgten wir uns Anzüge vom Kostümverleih.

„29.4.1989, Kreiskulturhaus Eberswalde, Norbert-Schönborn-Band“
„30.4.1989, Werder/Havel, Baumblütenfest, Norbert-Schönborn-Band“
„1.5.1989, Berlin, Park Biesdorf, Norbert-Schönborn-Band“

Wenn ich diese Daten hier nicht Schwarz auf Weiß lesen würde, hätte ich wahrscheinlich sogar unter der Folter abgestritten, jemals im Kreiskulturhaus Eberswalde oder im Park Biesdorf gewesen zu sein. War ich auch nicht! Ich nahm einfach das Geld und verschwand ohne schlechtes Gewissen mit meiner Freundin in Richtung Flughafen. Vier Stunden später standen wir in der Nähe von Varna in Bulgarien am Strand und schauten hinaus auf das Schwarze Meer. Es war der schönste Ausblick der Welt. So gesehen sind mir die Schwarzen Löcher eigentlich sehr sympathisch, denn ich kann weiterhin behaupten, dass ich stets auf dem Pfad der Tugend gewandelt bin und dass ich immer der Typ gewesen bin, der sich völlig ohne Kompromisse durchs Leben gekämpft hat. Zumindest noch weitere 50 Monate lang…

Far away
The ship is taking me far away
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