Van Lange

9.Kapitel: Portraits

Wie bist du zur Musik gekommen?
Bei meinen Eltern stand ein Klavier, auf dem ich ab und zu heimlich `rumklimperte. Dann brachte mein Vater eines Tages ein Beatles-Songbook mit. Darin sah ich die ersten Griffe, die man auf einer Gitarre so greifen konnte. Ich probierte es aus und schnell wusste ich: das will ich mal werden! Mein Bruder Ulli hielt mich dann auch die weiteren Jahre auf dem aktuellsten Stand und so kam ich schnell in den Genuss von AC/DC, den Dead Kennedys, The Police und anderen Bands. Später, beim Ausprobieren der ersten Zigarette, beschlossen zwei Schulkumpels und ich im selben Atemzug Musik zu machen. Es war  kläglich, aber der Anfang war gemacht.
Kannst du dich noch an das erste Konzert erinnern, welches du besucht hast? Wie war das?
Als ich 11 war, nahm mich mein Bruder mit zur Probe seiner Band Cäpt`n Caro mit. Ein zerfallenes Haus am Nöldnerplatz war ihr heiliger Musiktempel. Ich war begeistert: Viele Boxen, ein Schlagzeug und elektrifizierte Gitarren. Dann legten sie los und ich fühlte mich wie bei meinem ersten Rockkonzert. Eine Weile später war es dann soweit. Beim alljährlichen Drushba-Fest gastierte die Gruppe Keks. Und wir waren dabei! Mit Sangria und „Hasch mich, Mädchen…“
Wie hieß deine erste Band?
Zur Namenstaufe meiner ersten Band kam es gar nicht mehr. Im Nachhinein würde ich sagen, wir waren die The Zweidrumfiguren Band. Die erste „richtige“ Band hieß Edge of Silence. Wir spielten auf Partys zum Spaß und für Bier.
Wann und mit welcher eigenen Band standest du das erste Mal auf einer richtigen Bühne? Kannst du dich noch daran erinnern, wie das war?
Das war im April `88 in Pankow. Die Band hieß Die Vision. Ich weiß noch, ich war so extrem aufgeregt, dagegen war meine Russischprüfung ein Kegelnachmittag. Denn dies sollte nicht nur mein erstes Mal sein. Es hatte sich auch noch Besuch aus dem Westen, in Form der Toten Hosen, angekündigt. Die durften wir supporten. Das taten wir auch mit guter Laune und selbst der mutige Pfarrer, der dieses Konzert ermöglichte, war begeistert. Als dann die Arbeit getan war, genehmigten wir uns ein Fässchen Bier und es wurde noch ein sehr guter Abend in der Wohnung unseres Sängers Geyer. Das Gelage wurde größer und zum Schluss liefen dann Filme wie „Nekromantik“, „Meat the Feebles“ und „Darkstar“. So ist jedenfalls meine Erinnerung an meinen ersten Auftrittstag…
Wie war dein musikalischer. Weg bis hin zu In Extremo? In welchen Bands hast du vorher gespielt?
Als ich mir etwas Geld zusammengespart hatte und mir meine Mutter noch etwas dazugab, ging ich in einen An- & Verkauf und kaufte mir für 200 Mark meine erste Gitarre: eine silberlackierte „Jolana“ mit Perlmutt-Schlagbrett. Damit nervte ich, über das Radio gespielt, meine Umwelt und hörte mir die Griffe meiner Lieblingsbands raus. Mein Gitarrenunterricht machte auf einmal sogar wieder etwas Sinn. Irgendwann bauten wir dann Matratzen an Kellerwände, legten dort Teppiche rein und nannten das Ganze dann „Proberaum“.1986 stieß ich zu Edge of Silence. Anfang 1988 fand ich mich dann bei Die Vision wieder. Wir hatten eine gute Zeit und spielten viele Konzerte, bei denen wir auch mal mit dem Zug anreisen mussten. Nebenbei waren wir noch ein kleiner „Clan der musikalischen Spitzbuben“. Dies hieß dann L´Ambassadeur de Ombres oder auch 9 Tage alt..  Nachdem sich nach  Jahren unsere Wege 1994 bei Die Vision trennten, spielte ich in Bands wie 3 Minute Hate, Scapegoat, K.d.A., Junesaw. Ende1999 ging ich zu einer Band ins Kreuzberger Wild at Heart. Dort traf ich nach langer Zeit einen guten, alten Bekannten: Kay Lutter. Er fragte mich, ob ich als Ersatz für ihren erkrankten Gitarristen aushelfen könnte. Ich  willigte ein, da auch die Zeit bei Ihnen knapp war. Micha schickte mich zum Chef und Puck öffnete mir die Tür. Wir stellten beide fest, dass wir uns vom Mittelaltermarkt her kennen. Ich verdingte mir eine Zeit lang als Bäcker auf Märkten mein Geld. Puck gab mir CDs und Aufkleber(!) mit und ich versuchte mein Bestes. Dann probten wir zusammen, tranken Bier und hatten gute Laune. Eine Woche später ging`s dann auch gleich fern der Heimat in Potsdam los. Ja, und dann ging es noch in andere schöne Städte und Länder…
Gibt es Veröffentlichungen deiner alten Bands? Gibt es andere Veröffentlichungen, an denen du beteiligt warst? Wenn ja, welche?
Einige, ohne Gewähr… Mit Die Vision  3 Demos und 2 CDs: „Torture“ (1990), „Fascination“ (1992), mit Junesaw „First Dawn“ (1998), mit K.d.A., Die Art, BOON, Sludgehat, S.o.t.b. diverse Samplerbeiträge…
Wie stellt sich der Beginn von In Extremo aus deiner Sicht dar?
Am Anfang ging es für mich nur um eine einzige Tour. Mittlerweile habe ich verstanden, in welcher großartigen Band ich spielen darf. Die Faszination der Dudelsäcke und der anderen unkonventionellen Instrumente gepaart mit einer Rockband mag sicher nicht jeder. Für mich war es ein neuer Anstoß Musik zu machen.
Deine 3 Lieblingsbands oder Musiker:
Pothead, Beatles, Helmet
Deine 3 Lieblingsplatten:
Tool “Aenima”
Die 3 beste Konzerte anderer Bands, die Du je besucht hast:
Tool 1997 im Metropol, Kyuss im Loft und Erikah Badu
Die 3 besten Konzerte, die du selbst gespielt hast:
1992 mit Die Vision in Paris. Es klang wie in einer Kirche, aber wir gaben mal wieder unser Bestes. Schließlich 2000 mit In Extremo in Wiesen/Österreich.
Deine 3 Lieblingsfilme:
„Club Las Piranhas“, ansonsten mag ich englischen Humor, Mr.Bean.,“Snatch“, „Acid House“…
Deine 3 Lieblingsbücher:
„Hot Dogs“, „Mr. Nice“, Philip Dujan schreibt gut, Harald Schmidts Bücher sind lustig… wie es grad passt.

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