Interview mit Sonic Seducer!

Interview mit Sonic Seducer

Bass, Blues, Buch
Kay Lutter ist seit 1997 Bassist bei den Mittelalter-Rockpionieren In Extremo, das dürfte vielen hinreichend bekannt sein. Dass er auch Talent zum Schreiben hat, haben die Songs aus seiner Feder und seine Tagebucheinträge, die bei den Fans der Band längst Kultstatus haben, mehr als deutlich belegt. Endlich hat sich der Mann mit den wachen Augen einen Ruck gegeben und sein erstes Buch geschrieben, dass am 08.05.2017 im LAGO-Verlag erschienen ist. „Bluessommer“ erzählt von der Entscheidung, Musik zu leben – und das zur Zeit des Eisernen Vorhangs. Lutter, der als „Ossi“ zu seinem 9.Geburtstag eine Bassgitarre geschenkt bekam, ist dem Instrument bis heute treu geblieben und verarbeitet in seinem Buchdebüt allerhand eigene Erfahrungen, die er als Musikstudent, Basslehrer und auch freischaffender Musiker gemacht hat.

Ein Buch schreiben – war das schon immer ein Wunsch von Dir?
Ja, schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt. Und spätestens, nachdem ich Jack London gelesen hatte, wusste ich, dass ich eines Tages einen Abenteuerroman schreiben werde. Voraussetzung dafür waren natürlich Abenteuer, doch die kamen später reichlich dazu.

Wie kam es zu der Idee „Bluessommer“ zu schreiben?
Ich habe mich lange dagegen gewehrt, eine Geschichte zu schreiben, die autobiografische Züge trägt. Es ist definitiv etwas anderes, einen kurzen Songtext zu schreiben, als einen 1000-Seiten-Roman, der viel mehr von deiner Gedankenwelt preisgibt, als ein Song das jemals könnte. Ich muss zugeben, dass ich davor etwas Angst hatte.

Wie viel von Dir und Deinem Leben steckt in den Personen?
Der Background stimmt, Ort und Zeit auch. Doch bei den Figuren habe ich mich frei ausgetobt. Man hat natürlich immer real existierende Personen im Kopf, an denen man sich festhalten kann, aber das bezieht sich eher auf Gesichter und Charaktereigenschaften, die man herrlich miteinander kombinieren kann.

Kindheit in der DDR – was war daran schwierig und was möglicherweise auch wertvoll?
Das Wichtigste für eine glückliche Kindheit, egal wo, sind die Eltern und die Freunde. Und davon hatte ich reichlich in der DDR, obwohl ich ein Scheidungskind bin. Ich habe meiner Mutter und meinem Stiefvater unendlich viel zu verdanken. Ich möchte die DDR nicht zurück haben, doch wenn man die Politik mal ausblendet, dann gab es in diesem Land viele Dinge, die ich heute vermisse: Ich kam mit 9 Jahren auf die Musikschule und hatte den besten Lehrer der Welt, der mich bis zur Aufnahmeprüfung begleitet hat. Ich war vier Mal in der Woche dort, neben dem Unterricht gab es eine Big Band, Theorieunterricht, Klavierunterricht und selbst Vorträge, bei denen bekannte Musiker Platten vorstellten und über die Hintergründe sprachen. So habe ich damals Bands wie Pink Floyd, ELP (Emerson, Lake & Palmer), Steppenwolf und die Beatles schätzen gelernt.

Musik in der DDR – ein Spannungsfeld zwischen Geduld und geduldet werden? Was war Deine Motivation?
Es ist heute schwer zu verstehen, aber damals wurde extrem zwischen einer Amateur- und einer Profiband unterschieden. Amateure mussten nachweisen, dass sie einem Beruf in Vollzeit nachgingen und eine Genehmigung ihres Chefs hatten. Das ist auch ein Thema im Bluessommer, denn die wirklich angesagten Amateurbands hatten damals im Schnitt 15 Konzerte im Monat und verdienten das Vielfache eines Lehrers oder Beamten. Ich hatte damals als Student den Status eines Profis, spielte aber bei Freygang in einer Amateurband. Für mich war das damals wichtig, denn nur die Amateurbands galten als integer.

Du beschreibst in dem Buch Menschen, für die Musik irgendwie zentral ist, aber auch solche, denen Musik nicht so wichtig erscheint – was glaubst Du, wie sehr die Musik, mit der Du damals in Berührung gekommen bist, Dich und Dein Leben geprägt hat?
Die Musik, die einen in der Zeit des Erwachsenwerdens geprägt hat, ist immer präsent. Und sie rückt im Alter auch wieder mehr in den Vordergrund. Wenn ich bei In Extremo mit Micha über meine Textideen rede, kommen wir relativ schnell auf einen gemeinsamen Nenner. Wir haben einfach denselben Background. Für meine Lesereise Ende des Jahres habe ich mir eine Band zusammengestellt, um auch ein paar Songs aus dieser Zeit spielen zu können. Ich wollte bewusst auf den Namen In Extremo verzichten und hatte meine Bandkollegen gar nicht erst gefragt. Doch kaum hatte ich die ersten Termine zusammen, da rief mich unser Sänger an und beschloss mit dabei zu sein. Und ich freue mich wirklich, weil Micha ein Typ ist, der den „Bluessommer“ lebt und gelebt hat. Wir haben uns übrigens auf einem Konzert meiner damaligen Band Freygang kennen gelernt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Medusa

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